Leise

Alles was lange währt, ist leise, lese ich auf der Postkarte.
Seines Friedens wird kein Ende sein, lese ich in der Bibel.
Tatsächlich: Nicht mit Lärm und Getöse
sondern in Stiller Nacht
beinahe unbemerkt
sanftmütiger Friedefürst.
Also nicht nur im Sturm suchen
lauschend in der Stille warten
bis der sichere Frieden kommt
so leise.

 

Zeit

Dieselben Hände, die die Galaxien in den Himmel gesetzt haben,
wischten auch die Tränen der Witwe und des Aussätzigen ab.°

Und es ist genau dieser Gott, der mit jeder und jedem einzelnen von uns
in dieses weitere geschenkte Jahr geht.

Ich blicke zum Himmel und sehe, was deine Hände geschaffen haben;
den Mond und die Sterne – allen hast du ihre Bahn vorgezeichnet.
(Psalm 8, 4)

 

°Max Lucado: Minuten für die Ewigkeit, 28. Dezember

24.12.

Und dann, wenn die Gans gegessen ist,
die Geschenke ausgepackt, der Besuch gegangen,
die Kinder im Bett, und der Geschirrspüler leise summt:

Wenigstens einen Moment über das Wunder wundern,
dass dieses ärmliche Baby in dem schäbigen Stall
die Welt retten wird,
Erbarmer, Heiland, Erlöser von uns allen Menschen,
der unsere Schuld und den Tod besiegt,
strahlender Herrscher in Macht in alle Ewigkeit.

Während der Geschirrspüler summt,
einen Moment still werden und anbeten
in dieser heiligen, heiligen Nacht.

Wege und Geschwindigkeiten

Wohin gehen wir in dieser Vorweihnachtszeit,
immer hektischer vielleicht, am Ende erschöpft?
In den Keller, die Weihnachtsdekoration holen;
in den Garten, die Lichterketten aufhängen;
durchs Haus, aufräumen und dekorieren;
in die Geschäfte, Geschenke kaufen;
auf den Weihnachtsmarkt;
zum Friseur;
Weihnachtsbaum kaufen;
neuen Ständer im Baumarkt kaufen;
noch mehr Geschenke kaufen;
Vorräte und Getränke kaufen;
letzte Geschenke kaufen;
noch mehr Vorräte kaufen;
allerletzte Geschenke kaufen;
Gans abholen;
schnell noch das allerallerletzte Geschenk kaufen.
Wohin gehen wir nur in dieser Vorweihnachtszeit,
immer hektischer vielleicht, am Ende erschöpft?

Drei folgten einem Stern,
erwartungsfroh, die Schritte verlangsamend –
stelle ich mir vor – als sie sich dem Stall nähern,
vielleicht innehaltend in der Tür beim Anblick des Kindes,
ehe sie anbetend auf ihre Knie gehen an diesem heiligen Ort.
Welches Gold haben wir für den Gottessohn?

frag – würdig. Bzw.: Heute schon getanzt?

Darf ich Sie einladen innezuhalten und kurz über Ihre Antwort auf die folgende Frage nachzudenken?: Wenn Jesus jetzt in Person vor Ihnen stehen würde und Sie hätten eine einzige Frage, was würden Sie fragen?
                                                            ? ? ? ? ?

Die Frage stammt von Steve Volke, dem Leiter des Kinderhilfswerks Compassion Deutschland. Auf seinen Reisen in die Welt ist er bereits unfassbarem Leid und Elend begegnet, aber die Armut des Ehepaars Rydia und Fred aus Uganda gibt ihm nach eigener Aussage (Newsletter 3/2016) einen Stich ins Herz und treibt ihm die Tränen in die Augen: Für zehn Stunden harter Arbeit erhält Fred 1US-Dollar, allerdings höchstens an fünf Tagen im Monat. Wasser holt Rydia aus verschmutzten Wasserlöchern, die z.T. sechs Kilometer entfernt sind. Etwas Nahrhaftes zu essen gibt es nur zweimal (!) in der Woche, beide Kinder leiden unter den typischen Hungerbäuchen. Als Steve Volke die Eltern fragt: „Wenn Jesus jetzt in Person hier vor Euch stehen würde und Ihr hättet eine einzige Frage, was würdet Ihr fragen?“, antwortet Rydia nach kurzem Überlegen: „Ich würde ihn fragen, ob er mit der Art und Weise, wie ich ihm nachfolge, zufrieden ist.“ Und Fred sagt: „Wenn Jesus hier vor mir stünde, hätte ich keine Frage an ihn. Ich würde ihn an den Händen fassen, und dann würden wir tanzen!“

PS für Interessierte: Buchtrailer zu „Der Sehendmacher“

Fragen über Fragen

(Lukas 23, 32ff)

Nur der eine von beiden im Paradies – ist das wirklich sicher?
Sieht Jesu Kreuz auf dem Grabstein nicht ein wenig so aus, als würde es beide behütend umarmen?
Hat nicht Jesus selbst eben noch für alle gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“?
Macht womöglich der Mensch das Tor zum Himmel enger als Gott?
Wo ist die Grenze von Gottes Gnade?
Schmilzt vielleicht doch auch das härteste Herz im Strahlen von Gottes Liebe?
Und vor allem: Wissen wir eigentlich, was wir tun?

Der die Sterne erschuf, wollte lieber sterben, als ohne uns zu leben.
(Max Lucado)

Links oder rechts?

Ich gehe gerne über Friedhöfe.
Ein Kreuz auf einem Grabstein ist nicht ungewöhnlich, drei Kreuze auf angedeutetem Hügel schon. Sie ziehen mich an, lassen mich verweilen.
Das etwas größere Kreuz in der Mitte ist Jesu Kreuz, klar.
Jesus, der gesagt hat: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.
Was für ein Anspruch.
Was für ein Anspruch an sich.
Was für ein Anspruch von einem, der gerade qualvoll am Kreuz stirbt,
scheinbar ausweglos, scheinbar der Lüge und Hochstapelei überführt,
widersprüchlicher geht kaum.
Am linken Kreuz einer, der nicht glaubt, wer da neben ihm hängt.
Einer, der bitter und stolz noch am Ende seines Lebens in die Verachtung der anderen einstimmt und nichts als Hohn und Spott übrig hat für den Sohn des allmächtigen Gottes.
Am rechten Kreuz einer, der im Angesicht des Todes alles auf eine Karte und sein Vertrauen ganz auf den setzt, der blutüberströmt und verachtet neben ihm hängt.
Demütig und vertrauensvoll seine Bitte: Denk an mich.
Kann die Erfüllung einer Bitte überwältigender sein, unverdienter, ungeahnter?
Heute noch mit Ihm im Paradies, und der Jubel der Engel unvorstellbar, als er behutsam eintritt, Schuld gegen Gnade getauscht, im letzten Moment gerettet für die Ewigkeit. —-
Der Grabstein gefällt mir sehr.
Hoffentlich kommen viele an ihm vorüber, suchen ihren Platz in der kleinen in Stein gemeißelten Szene. Denn einer nur von beiden fand an jenem Tag nach Hause ins Paradies.
Nur der eine von beiden.

Zusammen mit Jesus wurden auch zwei andere Männer zur Hinrichtung geführt, zwei Verbrecher. Als sie an die Stelle kamen, die ›Schädel‹ genannt wird, kreuzigten die Soldaten ihn und die beiden Verbrecher, den einen rechts und den anderen links von ihm. Jesus aber sagte: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.« Die Soldaten warfen das Los um seine Kleider und verteilten sie unter sich. Das Volk stand dabei und sah zu. Und die führenden Männer sagten verächtlich: »Anderen hat er geholfen; soll er sich doch jetzt selbst helfen, wenn er der von Gott gesandte Messias ist, der Auserwählte!« Auch die Soldaten trieben ihren Spott mit ihm; sie traten zu ihm hin, boten ihm Weinessig an und sagten: »Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!« Über seinem Kopf war eine Aufschrift angebracht; sie lautete: »Dies ist der König der Juden.« Einer der beiden Verbrecher, die mit ihm am Kreuz hingen, höhnte: »Du bist doch der Messias, oder nicht? Dann hilf dir selbst, und hilf auch uns!« Aber der andere wies ihn zurecht. »Fürchtest du Gott auch jetzt noch nicht, wo du doch ebenso schlimm bestraft worden bist wie dieser Mann und wie ich?«, sagte er zu ihm. »Dabei werden wir zu Recht bestraft; wir bekommen den Lohn für das, was wir getan haben. Er aber hat nichts Unrechtes getan.« Dann sagte er: »Jesus, denk an mich, wenn du deine Herrschaft als König antrittst!« Jesus antwortete ihm: »Ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.«

(Lukas 23, 32-43)