Archiv für den Monat: März 2016

Noch Fragen?

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Auto, das 160 km/h fährt.

Die Erde (die übrigens ca. sechs Milliarden Billionen Tonnen schwer ist) dreht sich
am Äquator mit rund 1670 km/h um sich selbst.
Mit einer Geschwindigkeit von ca. 107 000 km/h umkreist die Erde die Sonne.
Mit ungefähr 900 000 km/h rast unser Sonnensystem um das Zentrum seiner Galaxie
und braucht dabei für eine Umrundung 200 bis 250 Millionen Jahre.
Die Milchstraße, zu der unser Sonnensystem gehört, ist dabei nur eine der zahlreichen
Galaxien im Universum.

Noch irgendwelche Fragen zur Größe und Allmacht unseres Gottes?

(Alle Angaben stammen aus Rob Bells Buch: „Mit Dir. Für Dich. Vor Dir.“, S. 36 und S. 39)

Warum der Gründonnerstag

….. Gründonnerstag heißt und warum es eine gute Entscheidung sein könnte, sich zur
Gründonnerstag-Nachtwache  (am 24.3.2016 ab 18 Uhr) einladen zu lassen –
ein Beitrag von Hans-Jürgen Caspar:

Christi Opfertod und der Gründonnerstag
Wie wohl alle anderen Religionen ist auch die christliche nicht in allen Einzelheiten leicht zugänglich. Es gibt in ihr genügend Geheimnisvolles, das allein mit dem Verstand nicht zu begreifen ist.
Trotzdem hänge ich an ihr, und es freut mich, dass es mir aus einem bestimmten Anlass heraus vergönnt war, einen Teil der christlichen Botschaft noch besser zu verstehen als vorher.
Diesen Anlass bildete am Gründonnerstag eine sehr gut besuchte Nachtwache in unserer St.-Petrus-Gemeinde, die abends begann und am Karfreitagmorgen endete. Inhaltlich bezog sie sich auf die Berichte in der Bibel über den Aufenthalt Jesu im Garten von Gethsemaneh (Matth. 26,36-46; Mark. 14,32-42, Luk. 22,39-46) mit einigen seiner Jünger. Während Jesus in großer Einsamkeit und Verzweiflung etwas abseits für sich betete, schliefen sie, obwohl er sie mehrfach aufgefordert hatte, wach zu bleiben. Bei unserer Veranstaltung bestand die Möglichkeit, symbolisch das nachzuholen, was sie versäumten.
Zwischen Bibellesungen und Gebeten entstanden immer wieder lange Pausen der Stille, und so konnte man sich in die Bedeutung des Ostergeschehens vertiefen, wie es sonst mit dieser Intensität und Ausdauer nur selten geschieht. Dabei dachte ich unter anderem an folgendes: Weiterlesen

Trostbedürftiger Gott?

Jahreslosung 2016 (FF)

Jahreslosung 2016 (FF)

Wenn man aus dem Gemeindesaal der St. Petrus Gemeinde tritt, fällt der Blick auf Gemälde der Lobpreis-Malgruppe der Gemeinde, die an den beiden gegenüberliegenden Wänden angebracht sind. Besonders ein Bild hat meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und geht mir seither nicht mehr aus dem Sinn. Es ist ein kleines Gemälde zur aktuellen Jahreslosung (Gott spricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ – Jesaja 66,13), und es zeigt – in meinem Verständnis – inmitten einer Blumenwiese eine Mutter und ihr Kind.
Aber wer will hier wen trösten?
Das Kind mit selbstgepflückten Blumen die Mutter, die am Boden kauert, das Gesicht in den Knien vergraben? Ist es die Mutter, die Trost braucht?

Vielleicht liegt es an den Bildern in meinem Kopf von Flüchtlingen, die Stacheldrahtzäune und reißende Flüsse überqueren, die nackte Verzweiflung im Herzen.
Vielleicht liegt es an den nicht enden wollenden Berichten über all die Ängste und die Kälte und Erbarmungslosigkeit im Herzen von so manchem von uns, die uns selber erschrecken und beschämen.
Aber könnte es womöglich sein, dass Gott, der unsere Herzen sieht, der Trostbedürftige ist?
Er, der dafür gelebt hat und gestorben ist, dass wir die Liebe lernen und das Vertrauen und die Wahrheit und den Mut.

Ich weiß nicht, was Gott fühlt, wenn er sieht, wie es noch immer in unseren Herzen und auf dieser Welt aussieht. Aber ich weiß, dass Gott die Liebe ist und dass Jesus Mitleid mit den Menschen hatte und um sie geweint hat. Und ich weiß, dass Er allein in allem unsere Rettung ist.

Vielleicht ist Ostern die Gelegenheit, Gott wieder neu zu suchen und unsere Herzen von ihm verändern zu lassen.

Und vielleicht ist nach dem Ostergottesdienst noch Zeit, die kleine Bilderausstellung vor dem Gemeindesaal auf sich wirken zu lassen…

Bilderausstellung Februar 2016

Die Würde der Armen

Die Bettlerin

Sie saß immer an der selben Stelle. Bei Sonne, bei Regen, immer saß sie auf dem selben Stückchen Asphalt, den dünnen Rücken an die kleine Mauer gelehnt. Ihre Hände waren alt und faltig, ihr Kopf nach unten geneigt, die wenigen Haare darauf dünn und grau. An ihr Gesicht kann ich mich nicht erinnern. Ihr Blick ruhte immer auf der kleinen Schachtel, die vor ihr stand, und sie hob den Kopf nicht, wenn einer der Vorübergehenden eine Münze hineinwarf. Aber an ihrem Gang würde ich sie erkennen. Schleppend war er und gebückt. Man konnte die Schmerzen sehen. Sie kam immer um die Mittagszeit und ging erst, wenn es dunkel wurde. Ich habe sie nie ein Wort sprechen hören.

Und dann standen eines Tages diese braunen Herrenschuhe vor ihr. Standen nur da und schienen zu warten. Jedenfalls wurde keine Münze in die kleine Schachtel geworfen und das verwunderte sie. Nach einer Weile hob sie unwillkürlich den Kopf. Sie sah das freundliche Gesicht noch ehe sie die Blume in der Hand des Mannes wahrnahm. „Für Sie!“ sagte er leise und streckte ihr hoffnungsvoll die Blume entgegen. Es war nicht irgendeine Blume. Es war eine Rose. Der lange Stiel trug eine Knospe, die sich schon zu öffnen begann. Rot würde die Blüte sein. Die Rose war wunderschön.

Mühsam und ohne Hast stand die Bettlerin auf. Eine kurze Weile stand sie nur da und atmete mit geschlossenen Augen den Duft der Rose ein. Dann nahm sie die Blume, wortlos, und ging schleppend davon. Ich habe sie nie wieder gesehen.

(SN, frei nach einer Begebenheit, die von Rainer Maria Rilke und einer Bettlerin in Paris überliefert ist)

„Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“
(Rainer Maria Rilke)

Nicht nach rechts oder links

Warum die Engel Halleluja singen

Lange bevor die Sonne und der Mond, die Erde und die Sterne geschaffen wurden, waren bei Gott die Engel. Und weil viele der Engel gar nicht so recht wussten, was sie die ganze lange Ewigkeit tun sollten, versammelten sie sich eines Tages um den Herrn des Himmels und baten ihn, dass er sich doch etwas von ihnen wünschen solle. Der aber, als hätte er nur darauf gewartet, sprach: „Rückt alle ein wenig mehr zusammen, aber so, dass jeder jedem am nächsten steht.“

Also rückten sie alle einander näher, aber oh weh: Kaum rückte einer seinem rechten Nachbarn näher, war er vom linken nur um so weiter entfernt. Und rückte er auf diesen zu, so musste er jenen allein lassen. Nachdem sie so eine Weile ratlos hin und her gegangen waren und in einem großen Kreis um den Herrgott standen, sprach Gabriel:

„Nicht nach rechts oder links lasst uns gehen, sondern noch weiter auf den Herrn zu, so weit es irgend möglich ist, so kommen wir auch einander näher, dass es näher nicht geht.“

Und gesagt, getan fanden sie sich zum engsten Kreis und singen seitdem ihr „Gelobt sei Gott“; nicht etwa, weil Gott des Lobes bedürfte, wie ein König, der sich zu rühmen auf die Tagesordnung setzt, sondern weil sie auf keine andere Weise einander so nahe kamen wie im Zugehen auf Gott.

(mit freundlicher Genehmigung des Autors aus:
Macht, Siegfried. Erzähl mir (keine) Märchen. Rechte und Bezug: Homepage siegfriedmacht.de)